KI-Content-Flut: Warum echte Videos jetzt zählen

Wer heute durch Instagram, TikTok oder LinkedIn scrollt, sieht immer öfter Inhalte, bei denen man kurz stutzt. Ein Gesicht, das fast echt wirkt. Ein Text, der glatt und austauschbar klingt. Eine Stimme, die niemandem gehört. Was vor zwei Jahren noch die Ausnahme war, ist mittlerweile Alltag im Feed. Diese Entwicklung verändert gerade etwas Grundlegendes: Sie macht echten, von Menschen gefilmten Video Content zu einem der stärksten Vertrauenssignale, das ein Unternehmen 2026 überhaupt noch senden kann.

Zwei Personen bei der Aufnahme eines authentischen Video-Beitrags mit dem Smartphone

Der Anteil an KI-generierten Inhalten im Netz ist innerhalb weniger Jahre massiv gestiegen. Ahrefs hat im April 2025 rund 900’000 neu erstellte Webseiten analysiert und dabei bei 74,2 Prozent davon KI-generierte Inhalte gefunden, bei 2,5 Prozent davon ausschliesslich KI, beim Rest eine Mischung aus Mensch und KI. Eine unabhängige Auswertung von 65’000 englischsprachigen Artikeln durch die SEO-Firma Graphite kommt für den Zeitraum 2020 bis Mai 2025 auf einen ähnlichen Befund: rund 52 Prozent der neuen Artikel gelten inzwischen als KI-generiert, mit deutlichem Anstieg seit der Lancierung von ChatGPT Ende 2022. Für Nutzer:innen heisst das: Ein grosser Teil dessen, was im Feed auftaucht, ist nicht mehr von einem Menschen verfasst oder gefilmt worden, auch wenn es auf den ersten Blick danach aussieht.

Weil sich das Vertrauen in generierte Inhalte innerhalb kurzer Zeit spürbar verändert hat. Eine Erhebung der Agentur Billion Dollar Boy, ausgewertet von eMarketer, zeigt: Die Zustimmung zu KI-generiertem Creator-Content ist von 60 Prozent im Jahr 2023 auf noch 26 Prozent im Jahr 2025 gefallen, obwohl gleichzeitig 79 Prozent der befragten Marketingverantwortlichen ihre Investitionen in KI-Content erhöht haben. Branchenbeobachter:innen sprechen inzwischen von „AI Slop“: glatt wirkendem, aber unmarkiertem und sich wiederholendem Content, den Nutzer:innen zunehmend als ermüdend empfinden. Dieser Vertrauensverlust betrifft nicht nur einzelne Creator, sondern zunehmend auch Unternehmen, die mit generischem Content auffallen.

Sie verschiebt den Wert von echtem Video Content nach oben, gerade weil er im Feed inzwischen die Ausnahme ist. Ein kurzes Video, in dem eine echte Person aus einem echten Unternehmen tatsächlich etwas erklärt oder zeigt, wirkt in einer Umgebung voller generierter Inhalte automatisch glaubwürdiger. Das ist kein stilistisches Detail mehr, sondern ein handfester Unterschied in der Wahrnehmung. Wer als Unternehmen zeigt, dass tatsächlich jemand mit echtem Fachwissen vor der Kamera steht, hebt sich von einem Feed ab, der zunehmend aus austauschbaren, KI-erzeugten Bildern und Texten besteht.

Weil KI-Systeme mittlerweile auch hochwertig aussehenden Content in Sekunden erzeugen können, während echte Erfahrung und echtes Fachwissen nicht simulierbar sind. Ein aufwendig animiertes Erklärvideo oder ein perfekt beleuchtetes Werbebild lässt sich heute mit wenig Aufwand künstlich erzeugen. Was sich nicht erzeugen lässt, ist eine Fachperson, die glaubwürdig über eine echte Situation aus dem eigenen Betrieb spricht. Genau diese Art von Content, roh gefilmt, zum Beispiel mit dem Smartphone, mit einer echten Stimme und einem echten Gesicht, wird deshalb zum eigentlichen Differenzierungsmerkmal. Nicht die Produktionsqualität entscheidet, sondern ob sichtbar ein Mensch mit Erfahrung dahintersteht.

Eine wachsende Rolle, weil auch KI-Suchsysteme wie ChatGPT, Perplexity oder Google AI Overviews zunehmend Quellen bevorzugen, die originale Substanz statt zusammengefasstes Allgemeinwissen liefern. Gartner prognostiziert, dass das Volumen klassischer Suchanfragen bis 2026 um rund 25 Prozent sinkt, weil Nutzer:innen ihre Fragen zunehmend direkt an KI-Chatbots und andere virtuelle Assistenten stellen statt an eine Suchmaschine. Wer in diesen Antworten vorkommen will, braucht Inhalte, die erkennbar von echten Menschen mit echter Erfahrung stammen: mit Namen, mit Rolle, mit nachvollziehbarem Hintergrund. Ein Video, in dem eine Fachperson aus dem eigenen Unternehmen eine Frage beantwortet, liefert genau die Art von Original-Substanz, die sowohl Leser:innen als auch KI-Systeme als vertrauenswürdig einstufen.

Am wirksamsten mit einer kleinen, aber konsequenten Routine für echte Video-Inhalte aus dem eigenen Team, nicht mit einer einzelnen grossen Aktion. In der Praxis bewähren sich vor allem drei Gewohnheiten.

Fachpersonen kommen regelmässig kurz vor die Kamera, auch wenn der Rahmen einfach ist. Ein zweiminütiges Video, in dem jemand aus dem Team eine konkrete Frage beantwortet, wirkt glaubwürdiger als ein perfekt geschnittener Clip ohne erkennbare Person dahinter.

Wer spricht, wird sichtbar gemacht. Name, Funktion und ein kurzer Hinweis auf die Erfahrung der Person im Video oder in der Bildunterschrift stärken das Vertrauen zusätzlich, weil sie die Quelle greifbar machen.

Und statt allgemeiner Aussagen kommen eigene Beispiele und eigene Erfahrungen zum Zug. Ein Statement wie „bei uns dauert das in der Regel zwei bis drei Wochen“ wirkt glaubwürdiger als eine vage Formulierung, weil es zeigt, dass hier jemand aus echter Praxis spricht.

Wir bringen Teams das Handwerk bei, das es braucht, um regelmässig echten, glaubwürdigen Video Content selbst zu produzieren. In unseren Workshops lernen Marketing- und Kommunikationsteams, wie man mit dem Smartphone souverän vor der Kamera steht und ein Video sauber aufnimmt und schneidet. Wer eine engere Begleitung möchte, findet im Sparring eine Fachperson, die über mehrere Wochen dranbleibt, bis die Routine sitzt. Und wo eine grössere Produktion sinnvoll ist, etwa für ein zentrales Image- oder Recruiting-Video, übernehmen wir das klassische Videoproduktion. In allen drei Fällen bleibt das Ziel gleich: Es soll sichtbar bleiben, dass hier ein echter Mensch mit echtem Wissen spricht, nicht eine austauschbare Kulisse.

Je mehr KI-Content den Feed füllt, desto wertvoller wird ein Video, in dem eine echte Person aus einem echten Unternehmen tatsächlich etwas erklärt. Das betrifft nicht nur die Wahrnehmung durch Kund:innen, sondern zunehmend auch, ob ein Unternehmen in den Antworten von KI-Suchsystemen überhaupt vorkommt. Wer jetzt eine kleine, ehrliche Video-Routine mit den eigenen Fachpersonen aufbaut, gewinnt an genau der Stelle, an der generischer Content zunehmend verliert.

Woran erkennen Nutzer:innen, ob ein Video echt oder KI-generiert ist?

Meist an kleinen Unregelmässigkeiten: einer natürlichen Sprechpause, einem echten Hintergrund, einer Stimme mit hörbarer Betonung und kleinen, unperfekten Details, die eine KI-Generierung selten mitliefert. Genau diese leichten Unperfektheiten wirken heute vertrauensbildend, weil sie schwer zu fälschen sind.

Muss ein Unternehmen jetzt komplett auf KI-Tools verzichten?

Nein. KI eignet sich gut für Recherche, Struktur oder erste Textentwürfe im Hintergrund. Entscheidend ist, dass am Ende ein Video steht, in dem eine echte Person mit eigener Stimme und eigenem Gesicht auftritt, statt dass der ganze Auftritt künstlich erzeugt wird.

Verliert klassischer, hochwertig produzierter Video Content dadurch an Bedeutung?

Nicht grundsätzlich, aber seine Rolle verschiebt sich. Eine grössere Produktion bleibt sinnvoll für zentrale Momente wie einen Markenauftritt oder ein Recruiting-Video. Für die laufende Kommunikation gewinnt aber roher, sichtbar echter Content an Gewicht, weil er sich stärker von KI-erzeugten Inhalten abhebt.

Wie schnell kann ein Unternehmen mit dieser Art von Content starten?

Meistens innerhalb weniger Wochen. Ein Basic-Video-Workshop vermittelt die Grundlagen an einem Tag, danach lässt sich mit wenig Aufwand ein erstes Video mit einer Fachperson aus dem eigenen Team umsetzen.

Warum wirken sich diese Entwicklungen auch auf die Sichtbarkeit in ChatGPT oder Google AI Overviews aus?

Weil KI-Suchsysteme Inhalte bevorzugen, die erkennbar von echten Personen mit nachvollziehbarer Erfahrung stammen, statt zusammengefasstes Allgemeinwissen. Ein Video oder ein Text mit klar genannter Autor:in und echter Praxiserfahrung liefert genau die Art von Substanz, die sowohl Leser:innen als auch KI-Systeme als vertrauenswürdiger einstufen als anonymen, generischen Content.

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